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20260220 Teilnahme am NATO-Kurs: „Radiological Search in Maritime Environment“

Im Zeitraum vom 16. bis 20. Februar 2026 nahm Feuerwehrarzt Dr. Klaus Legner von der Freiwilligen Feuerwehr Orth an der Donau als medizinischer Instruktor am internationalen NATO-Ausbildungskurs „Radiological Search in Maritime Environment “ teil. Die Ausbildung fand am NATO Maritime Interdiction Operational Training Centre (NMIOTC) in Souda Bay auf Kreta statt und wurde durch das Office of Nuclear Incident Preparedness and Collaboration (NA-81) des U.S. Department of Energy organisiert. Die Durchführung erfolgte durch hochspezialisierte Subject Matter Experts aus nationalen US-Laboratorien.

Ziel der Ausbildung war der Aufbau und die Weiterentwicklung operativer Fähigkeiten zum Aufspüren radiologischer und nuklearer Materialien im maritimen Umfeld, zum sicheren Vorgehen bei Verdacht auf radiologischen Schmuggel sowie zum Schutz von Einsatzkräften. Darüber hinaus stand die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Militär, Polizei und medizinischen Kräften im Mittelpunkt. Der Kurs kombinierte theoretische Grundlagenvermittlung mit intensiven praktischen Übungen zur Umsetzung der vermittelten Verfahren unter realitätsnahen Einsatzbedingungen und mündete in eine komplexe Abschlussübung.

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Gruppenfoto aller Kursteilnehmer und Instruktoren vor dem NATO Maritime Interdiction Operational Training Centre in Souda Bay auf Kreta. Hier werden auch neben NATO auch zivile internationale Kräfte in maritimen Interdiktions-, Sicherheits-, und CBRN Operationen geschult. Diese Verfahren sind nicht nur für maritime Bereiche anwendbar sondern auch auf Binnengewässern wie zB auf der Donau.

An dem Kurs nahmen insgesamt 24 Teilnehmer und 11 Instruktoren aus sieben Nationen – Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Italien, Niederlande und USA – teil. Die Teilnehmer stammten aus unterschiedlichen Bereichen des CBRN-Spektrums, darunter Feuerwehr, Militär, Polizei, technische Spezialkräfte und medizinisches Fachpersonal. Die internationale Zusammensetzung ermöglichte einen wertvollen Austausch über nationale Einsatzkonzepte und taktische Herangehensweisen.

Inhaltlich war der Kurs auf maritime Bedrohungsszenarien ausgerichtet, insbesondere auf radiologischen Schmuggel über Seewege, terroristische Bedrohungen wie „Dirty Bomb“-Material, die illegale Verbringung aus Kernreaktoren stammender Radionuklide sowie Boarding-Operationen unter radiologischer Gefährdung. Der Schwerpunkt lag dabei stets auf der praktischen Umsetzbarkeit für Behörden und zivile Einsatzorganisationen. 

Die Axios war ursprünglich das deutsche Versorgungsschiff TS Saarburg, eines der klassischen NATO-Logistikschiffe des Kalten Krieges. Nach Außerdienststellung wurde sie an die griechische Marine abgegeben. 

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Das Schiff, auf dem vor allem trainiert wurde, ist die  HS Axios (A-464) – die ist tatsächlich ein sehr interessantes Stück NATO- und Kalter-Krieg-Logistikgeschichte. Es wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, war aber operativ ein klassisches „Force Multiplier“-Schiff: kein Kampfschiff, sondern ein schwimmendes Versorgungssystem für Flottenoperationen.
Typ: General Support Ship / Flottenversorgungsschiff, Klasse: Lüneburg-Klasse (Typ 701), Ursprung: Bundesmarine (Deutschland), Baujahr: 1968, Übernahme durch Griechenland: 1991, Status: außer Dienst, heute Ausbildungsschiff / Lieger in Souda Bay
 

Der erste Ausbildungstag widmete sich den Grundlagen des Strahlenspürens im Einsatz. Vermittelt wurden Basiswissen zu ionisierender Strahlung, Gefahren radiologischer Materialien, Detektionsprinzipien sowie Messstrategien. In praktischen Übungen kamen unterschiedliche Detektortypen zum Einsatz. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit eines systematischen Vorgehens beim Aufspüren von Strahlenquellen sowie die klare Unterscheidung zwischen Messung und eindeutiger Identifikation mittels Spektrometrie.

Praktische Beispiele zeigten, dass bestimmte Nuklide durch andere Strahlenquellen überlagert und dadurch schwer erkennbar werden können. So kann etwa Barium-133, ein in Medizin häufig eingesetztes Isotop, die charakteristischen Signaturen von Uran oder Plutonium überdecken, sodass bei einfachen Messungen zunächst vor allem das Barium erkannt wird. Ähnlich kann auch Cäsium durch Streu- und Hintergrundeffekte die Identifikation von Uran erschweren. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass gefährliche radioaktive Materialien durch vergleichsweise häufig verwendete Isotope maskiert erscheinen. Diese Zusammenhänge verdeutlichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen spektralen Analyse sowie einer fachkundigen Bewertung der Messergebnisse.

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FLIR identiFINDER R440 war eines der verwendeten Detektoren im Trainingseinsatz b

Die R400-Serie (R425 / R440) ist ein RIID (Radionuclide Identification Device) mit:

  • NaI(Tl)-Szintillationsdetektor (Gamma)
  • optionalem Neutronendetektor (He-3 oder Li-basierend je nach Variante)
  • automatischer Isotopenidentifikation
  • Finder-Modus für Suchoperationen

Am zweiten Tag standen maritime Suchverfahren und taktische Besonderheiten im Mittelpunkt. Alarmkriterien basierten auf statistisch relevanten Abweichungen vom lokalen Hintergrundniveau, welches im maritimen Umfeld typischerweise besonders niedrig ist. Ebenso wurden Turn-Back-Alarm-Konzepte sowie Stand-Off-Detection behandelt. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung des Einflusses von Schiffsrümpfen aus Stahl auf Strahlungsfelder. Metallstrukturen verursachen energieabhängige Abschirmung und Streueffekte, während die geringere Hintergrundstrahlung auf See eine erhöhte Sensitivität ermöglicht. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle medizinischer Expertise bei Risikoabschätzung, Einsatzlimits und Teamführung hervorgehoben. Ergänzend wurde das internationale Unterstützungssystem REAC/TS vorgestellt.

   Kurzer Unterricht im Klassenzimmer mit viel praktischen Übungen war in den ersten 3 Tagen am Programm. Verschiedene Detektoren wurden verwendet und die Teilnehmer mussten darauf geschult werden um die Detektoren richtig anwenden und die Ergebnisse interpretieren zu können.
 

Der dritte Ausbildungstag war der praktischen Suche auf einem militärischen Nachschubschiff mit fünf Decks gewidmet. Mehrere radiologische Quellen waren verborgen und mussten lokalisiert, identifiziert und bewertet werden. Die Besonderheiten gegenüber Landeinsätzen – veränderte Gamma- und Neutronenausbreitung durch Abschirmung, Streuung und Moderationseffekte innerhalb der Schiffsstruktur – stellten hohe Anforderungen an die Teams. Trainiert wurde insbesondere das Auffinden von Material, das für eine „Dirty Bomb“-Konstruktion geeignet wäre. Eine wesentliche Erkenntnis war, dass gefährliche Nuklide durch scheinbar harmlose medizinische oder natürliche Strahlenquellen (NORM) überlagert und dadurch verschleiert werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Untersuchung eines Schiffes von außen. Mittels Arbeitsbooten beziehungsweise RHIBs wurde das Zielschiff langsam passiert und die Veränderung der Hintergrundstrahlung analysiert. Erst bei Auffälligkeiten erfolgte ein Boarding mit anschließender Detailuntersuchung. Dieses abgestufte Vorgehen erhöht die Sicherheit der Einsatzkräfte und ermöglicht eine effiziente Nutzung der verfügbaren Ressourcen.

Am vierten Tag fand die CAPSTONE Exercise statt, eine komplexe Gesamtübung, die durch die Kursteilnehmer eigenständig geplant und durchgeführt wurde. Drei Einsatzteams organisierten Detektoren, persönliche Schutzausrüstung, Bergematerial, Dekontaminationsstation und medizinische Unterstützung. Die Instruktoren beobachteten und griffen nur minimal ein. Die Übung zeigte, dass die vermittelten Inhalte ein strukturiertes und sicheres Vorgehen auch unter komplexen Bedingungen ermöglichen.

Der fünfte Tag war dem Debriefing und internationalen Erfahrungsaustausch gewidmet. Neben einer Übungsanalyse wurden nationale Organisationsstrukturen vorgestellt. Infrastruktur und Ausbildungsqualität wurden durchgehend als sehr hoch bewertet.

Aus feuerwehrfachlicher Sicht ist dieses Kursformat von besonderer Bedeutung. Auch ohne aktuelle konkrete Bedrohungslage zeigt sich, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen und internationaler Transportwege auf präventiven Fähigkeitenaufbau angewiesen ist. Für Österreich als Transitland mit internationaler Schifffahrt auf der Donau ergibt sich daraus die Notwendigkeit, entsprechende Kompetenzen vorzuhalten.

Der Aufbau solcher Fähigkeiten dient der Erhaltung staatlicher Handlungsfähigkeit, der Abschreckung illegaler Aktivitäten sowie der frühzeitigen Unterbindung möglicher Bedrohungen. Eine gut ausgebaute fachliche Kompetenz sowie internationale Vernetzung leisten einen wichtigen Beitrag zur vorsorglichen Risikominimierung, ohne dass daraus eine besondere Gefährdungslage abzuleiten ist. Besonders hervorzuheben ist der Mehrwert der internationalen Zusammenarbeit. Der Austausch mit Experten verschiedener Nationen ermöglicht Zugang zu spezialisierten Erfahrungen, technischen Entwicklungen und einsatztaktischen Konzepten, die national allein nur schwer aufgebaut werden könnten. Gemeinsame Ausbildungsformate stärken die Interoperabilität und fördern eine internationale Zusammenarbeit.

Zusammenfassend ermöglicht das Kursformat ein strukturiertes und praxisnahes Vorgehen beim Aufspüren radiologischer Materialien auf Schiffen. Die Expertise der Instruktoren des U.S. Department of Energy gewährleistet einen internationalen Spitzenstandard in der Ausbildung. Der Kurs stellt einen nachhaltigen Mehrwert für Behörden und Einsatzorganisationen dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung nationaler Fähigkeiten sowie internationaler Kooperation im Bereich der CBRN-Sicherheit.

  Diverse Bilder aus der Abschlussübung. Es mussten radioaktive Materialien auf zwei verschiedenen Schiffen aufgespürt und identifiziert werden. Schutzausrüstung, Dekontamination,  richtige Abschätzung der Dosis aus medizinischer Sicht sowie die Handhabung von Antidots waren Themen bei der Schulung. 
Copyright Bilder: Feuerwehrarzt Dr. Klaus Legner / FF Orth an der Donau

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